Ein nachhaltigerer Einwegbecher
Papier wird grösstenteils aus Holz hergestellt. So weit, so gut, denn Holz ist eine nachhaltige Ressource, wenn es entsprechend beschafft wird. Jedoch umfasst der Prozess der Umwandlung von Holz in Papier mehrere Schritte. Es beginnt mit dem Zerkleinern des Holzes, gefolgt vom Trennen der Zellulosefasern und der Zugabe von Bleiche und Wasser. Schliesslich wird das Papier aus dem entstandenen Zellstoff hergestellt.
Wir stellten uns die Frage, ob es für bestimmte Anwendungen nicht nachhaltiger wäre, rohes, unbehandeltes Holz zu verwenden und dabei alle Schritte des Papierherstellungsprozesses zu vermeiden. Wir wussten, dass es möglich ist, Holz zu schälen, um ein Furnier herzustellen, das etwa so dick ist wie Karton. Auf der Suche nach möglichen Anwendungsbereichen stiessen wir darauf, dass jedes Jahr etwa 500 Milliarden Pappbecher hergestellt werden.
Unser erstes Ziel lautete: Einen nachhaltigeren Einwegbecher aus Holzfurnier zu entwerfen und zu entwickeln, der mit einem Minimum an Produktionsprozessen zwischen dem Schälen des Holzes und dem Endprodukt auskommt. Um diesen Ansatz zu validieren, stellten wir weitere Nachforschungen an und fanden heraus, dass in der Schweiz alle drei Sekunden ein Kubikmeter Holz wächst. Würde dieses Holz geschält werden, entstünde Furnier von einem Kilometer Länge und einer Breite von einem Meter. Ausreichend Material für 20'000 3dl-Becher ... alle 3 Sekunden.

Explorieren, prototypsieren und testen, um die Lösung zu finden
Wir erstellten erste Prototypen und hofften, dass die Eigenschaften des Holzes eine ausreichende Wasserdichtigkeit für mindestens 24 Stunden gewährleisten würden. Dem war leider nicht so. Wie jedes natürliche Material hat auch Furnier eine vielfältige Struktur und bei einer Dicke von nur 0,5 mm waren diese Unregelmässigkeiten nicht mit der geforderten Wasserdichtigkeit kompatibel.
So schnell gaben wir aber nicht auf und entwickelten Prototypen, testeten und forschten weiter. Schliesslich haben wir zwei Verfahren entwickelt, eines zur Homogenisierung der Furnieroberfläche und das andere zur Herstellung einer wasserdichten Versiegelung des Becherbodens. Zudem haben wir die Möglichkeit, das Furnier mit einer biologisch abbaubaren Beschichtung zu versehen, so dass der Becher weiterhin zu 100% kompostierbar ist.
Letzten Endes haben wir unser Ziel erreicht:
Ein wasserdichter Einwegbecher aus Holzfurnier, einem Material, das lokal angebaut und beschafft werden kann.
Der Becher wird mit einem Minimum an Produktionsprozessen und Materialtransporten hergestellt und hat somit eine deutlich geringere CO2-Bilanz als ein vergleichbarer Pappbecher.
Ein neues Spin-off ist geboren
Bislang wurden alle unsere Entwürfe, Prototypen und Tests von einem kleinen, engagierten Team, mit Hilfe bereits vorhandenen, umfunktionierten Maschinen und in Handarbeit realisiert. Dieses Vorgehen werden wir auch in Zukunft beibehalten, wenn es darum geht, neue Ideen zu entwerfen und zu testen. Mit dem Ziel, 2022 eine Produktionslinie in Betrieb zu nehmen, haben wir nun eine kleine Industrieanlage mit fortschrittlicheren Maschinen erworben.
Neben der Becher-Grossserienproduktion arbeiten wir auch an der Entwicklung und Erprobung einer Deckellösung, welche die gleichen Umweltkriterien erfüllt wie der Becher. Unsere Kunden sind zudem interessiert daran zu erfahren, wie wir künftig das Branding und Grafiken anbringen werden. Keinesfalls wollen wir die geringe CO2-Bilanz, die wir bereits erreicht haben, gefährden und hoffen daher, dass wir Heissprägung oder Lasergravur/Brennen hierfür einsetzen können.
In der Zwischenzeit haben wir auch ein Start-up gegründet, um die Entwicklung und Vermarktung des Bechers und anderer zukünftiger Produkte fortzusetzen. Weitere Informationen finden Sie in diesem Artikel des Bieler Tagblatts oder auf der Website von Arboloom.

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